Schweizer MET Group steigt in den deutschen gasvertrieb ein

2020. 11. 20.

Die Schweizer MET Group steigt in den deutschen Gasvertrieb ein und hat hierzu in Frankfurt eine Vertriebsgesellschaft gegründet. Zudem wird das Energieunternehmen mit Sitz in der Schweiz das Speicherportfolio der Gas-Union kaufen, hieß es in einer Mitteilung.

Die Kartellbehörden müssen die Übernahme noch bestätigen. Mit den insgesamt vier Speichern hat das neue Unternehmen aber auch Personal der Gas-Union übernommen. So wird Jörg Selbach-Röntgen Vorsitzender der Geschäftsführung von MET Germany, er hatte bis zu seinem Wechsel zu MET als Key-Account Manager für die Gas-Union gearbeitet. Auch Finanzgeschäftsführer Tobias Meyer kommt von Gas-Union. Bis März dieses Jahres war er dort für das Portfoliomanagement verantwortlich.

Start mit bis zu 15 Mitarbeitern

Die neue Vertriebsgesellschaft soll anfangs zehn bis 15 Mitarbeiter haben. Auf die Frage, ob vor allem Gas-Union-Mitarbeiter zum neuen Unternehmen wechseln, sagte Selbach-Röntgen im Gespräch mit energate: "Die Stellen sind auf der Seite der MET Group ausgeschrieben und wir sind in Gesprächen mit ersten Bewerbern." Bis auf den Handel sollen alle notwendigen Funktionen für den Vertrieb und die Abwicklung in Frankfurt entstehen.

Strom und Erneuerbare

MET wird mit der Akquisition von Großkunden und Stadtwerken starten und erst einmal Gas anbieten. Strom und erneuerbare Energien sollen später das Produktportfolio ergänzen. Im Laufe des Jahres 2021 will MET auch kleineren Industriekunden Energielieferungen anbieten. 2022 ist der Einstieg in den Markt für Gewerbe- und Haushaltskunden geplant. Selbach-Röntgen sagte, ihm sei klar, dass Deutschland ein schwieriger Markt sei: "Wir werden vor allem sehr individuelle Lösungen anbieten können." Das Know-how der Mitarbeiter und der Gruppe erlaube eine "Veredlung" der üblichen Produkte. Für den Manager ist der breite und diversifizierte Markteintritt Teil des Konzeptes. "Wir kennen die Erfolgsfaktoren auch im Haushaltskundenmarkt", unterstrich er. Ein anorganisches Wachstum ist in dem Segment möglich, muss aber nicht sein: "Wir machen das, wovon wir überzeugt sind", erläuterte Selbach-Röntgen die Philosophie. Deshalb gibt es auch keine Vorgaben für die Geschäftsentwicklung.

Handel findet zentral aus der Schweiz statt

MET hat Niederlassungen in vierzehn europäischen Ländern, in sechs davon ist das Unternehmen im Endkundenmarkt für Gas tätig. "Da wo wir den richtigen Markt und vor allem die richtigen Leute gefunden haben, wurden relativ autonome Einheiten aufgebaut", erläuterte Jan Massmann, der stellvertretende MET-Group-Vorstandsvorsitzende die Philosophie. Einige Funktionen, vor allem der Handel, erfolge zentral von Zug aus. Massmann betonte, MET glaube an ein integriertes Energiegeschäft, basierend auf Assets und Kundenbeziehungen.

Der Markteintritt in Deutschland erfolge jetzt, weil man die richtigen Menschen gefunden habe. Der Markterfolg liege an den Menschen und ihren Fähigkeiten, Kundenbeziehungen aufzubauen. Massmann ist überzeugt, auch mit der Übernahme des Speicherportfolios im Rahmen des integrierten Ansatzes der Gruppe Wert schaffen zu können. Die schwierige Zeit für Speicherbetreiber in den vergangenen Jahren schreckt MET nicht ab. "Wir glauben, wir haben einen Weg gefunden, auch in Kombination mit dem Vertrieb", so Massmann.

MET Spin-off der ungarischen Gasgesellschaft MOL

MET ist 2007 als Spin-off für den Gashandel aus der ungarischen Gasgesellschaft MOL hervorgegangen. Mittlerweile gehört das Unternehmen zu 80 Prozent den Mitarbeitern, 20 Prozent gehören Keppel Corporation Singapur, einem Energie- und Infrastrukturkonzern. Das Unternehmen ist an allen europäischen Handelsmärkten tätig. In Deutschland hat es bisher rund 20 TWh Gas im Großhandel verkauft. Gas-Union wurde zum 1. Oktober von der VNG übernommen (energate berichtete). Das Speicherportfolio besteht aus vier Speichern an den Standorten Etzel, Epe und Reckrodt mit einer Arbeitsgaskapazität von insgesamt 3,4 TWh. /ml

Quelle: Energate