Wir müssen uns auf eine neue Welt vorbereiten – Interview mit Benjamin Lakatos, CEO der MET Group

2020. 09. 21.

CEENERGYNEWS sprach mit Benjamin Lakatos, CEO der MET Group, über die Bedeutung der Diversifizierung von Energie und die Rolle, welche Erdgas und erneuerbare Energien in der Zukunft des Unternehmens spielen werden.

Um seine Präsenz in den Märkten für LNG (verflüssigtes Erdgas) weiter auszubauen, hat der in der Schweiz ansässige Energiekonzern MET Group im April LNG Croatia ein verbindliches Angebot über die Buchung von Kapazitäten im Flüssigerdgasterminal Krk für den Zeitraum von drei Jahren unterbreitet. Gleichzeitig hält das Unternehmen mit den neuesten Technologien und Innovationen Schritt und erschließt sich auch den Markt für erneuerbare Energien. CEENERGYNEWS sprach mit Benjamin Lakatos, CEO der MET Group, über die Bedeutung der Diversifizierung von Energie und die Rolle, welche Erdgas und erneuerbare Energien in der Zukunft des Unternehmens spielen werden.

„Für die Region ist das LNG-Terminal Krk ein lang ersehntes Projekt, dessen Umsetzung vielleicht 20 Jahre früher hätte erfolgen müssen,“ betonte Herr Lakatos. „Für jede Gasregion ist es immens wichtig, über direkte Verbindungen zum globalen LNG-Markt zu verfügen, andernfalls ist sie kein Teil des globalen Markts.“

Laut Herrn Lakatos ist der Zugang zu LNG heutzutage etwa vergleichbar mit Zugang zum Internet und dieser Zugang wird, was Mittel- und Osteuropa angeht, durch Kroatien teilweise gewährt.

„Das LNG-Terminal steht für einen neuen Versorgungspunkt der Region Mittel- und Osteuropa und bringt somit eine größere Quellendiversifizierung. Ein Teil des globalen LNG-Marktes zu sein ist unerlässlich.“

„Das Motto von MET lautet: Umsetzung von Innovationen, weshalb wir künftige Entwicklungen, wenn wir stark genug dazu sind, vorantreiben möchten,“ fährt der CEO fort. „Es war richtig, dass unser Unternehmen diesem Projekt beitrat und Kapazitäten buchte. Da wir bereits über Portfolios in Kroatien und Ungarn verfügen, war die Verknüpfung der zwei ein logischer Schritt.“

In Kroatien stießen wir angesichts der negativen Netback-Preise für Flüssigerdgas auf gewisse Schwierigkeiten, der derzeitige wirtschaftliche Abschwung und der frühere Angebotsüberschuss aus den USA trugen jedoch dazu bei, die Versorgungsrechnung ins Positive zu wenden.

„Ich glaube an Wettbewerb,“ sagt Herr Lakatos. „Es gefällt mir, wenn sich mehrere Unternehmen am selben Ort gegenüberstehen, denn dadurch werden alle stärker.“

So buchte nach MET Group auch MFGK Croatia, die Tochtergesellschaft des staatlichen ungarischen Energiekonzerns MVM äquivalente LNG-Kapazitäten am Terminal Krk, und zwar in Höhe von 6,75 Mrd. Kubikmetern (bcm). Vor der Reservierung aller verfügbaren Kapazitäten ging ein endgültiges Angebot von POWERGLOBE QATAR ein, das, in erster Linie von Katar und den USA aus, LNG-Ladungen liefern wird.

„Ich kann nicht ausschließen, dass diese LNG-Kapazität nur teilweise genutzt wird, der wichtigste Aspekt ist derzeit der potenzielle Zugang,“ betont Herr Lakatos.

Mehr als je zuvor sei jetzt Wettbewerb alles, insbesondere, wenn die wachsende Anzahl neuer und bahnbrechender Technologien und Akteure ins Spiel käme.

„Der Wettbewerb auf den traditionellen Gasmärkten ist nicht schärfer als zuvor, jedoch strukturierter,“ merkt der CEO an. „Ich bin der Auffassung, dass mir Erdgas bis zu meiner Pension ein Betätigungsfeld bieten wird. Zwecks Diversifizierung sind wir aber auch im Geschäft mit erneuerbaren Energien tätig. Zurzeit hinken wir anderen großen Unternehmen, die in erneuerbaren Energien tätig sind, ein wenig hinterher, bewegen uns aber bereits in die richtige Richtung.“

In den Markt der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist MET Group mit zwei Solarparks in Ungarn eingestiegen. Das Unternehmen hat neuerdings ehrgeizige Pläne für die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen in Mittel- und Osteuropa.

„Gerade in Regionen, die von Erdgas abhängen, ist die Energiewende Gegenstand fortwährender Diskussionen,“ fügt Herr Lakatos hinzu. „Obwohl ich keine schnelle Lösung erkennen kann, sagt mir mein Bauchgefühl, dass die Wende rascher erfolgen wird als derzeit angenommen. In manchen Ländern könnten wir in diesem Umfeld noch viele Jahre tätig sein.“

„Unternehmen müssen sich auf eine Welt einstellen, in der Gas zum schrumpfenden Teil des Marktes gehört. Auf diese neue Welt müssen wir uns vorbereiten, aber noch haben wir etwas Zeit.“

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie, die einen Schock für die Wirtschaft und den Energiesektor darstellte, hätte sich in den letzten paar Monaten alles verlangsamt. MET Group, mit einer Präsenz in 14 europäischen Ländern und einem ständigen Personal von 1.600 Personen, musste eine schwierige Situation überstehen. Doch das Unternehmen, bestätigt sein CEO, hätte sich gut dabei geschlagen.

„Es ist natürlich immer eine Herausforderung, wenn Menschen zu lange im selben Zimmer eingeschlossen sind, im Zeitraum der Ausgangssperre hatten wir dafür jede Menge Online-Aktivitäten (E-Joga, E-Backen, E-Geburtstage),“ so Herr Lakatos. „Wir erstellten ein E-Ökosystem, das die Menschen zusammenführte. Das Unternehmen stand jedoch einer handfesten Herausforderung gegenüber. Die Umsätze wurden beeinträchtigt, durch die in den Energiemärkten nur selten anzutreffende hohe Volatilität erzielten wir im Handelsgeschäft jedoch Gewinne. Darin liegt der Vorteil des Eingebundenseins: Tritt in einem Bereich der Wertschöpfungskette ein Engpass auf, können wir uns auf einen anderen Bereich konzentrieren.“

Vor der Pandemie wurde eine weitere Transaktion zum Abschluss gebracht, als das in Singapur ansässige Unternehmen Keppel eine 20-prozentige Beteiligung an der MET Group erwarb und damit eine strategische Partnerschaft einging, um gemeinsam Investitionsmöglichkeiten mit Schwerpunkt auf europäischen Vermögenswerten der Energieinfrastruktur zu sondieren.

„Unser Plan wird nicht geändert und unsere Strategie bleibt dieselbe. Wir streben danach, einer der führenden Akteure in der Konsolidierung des europäischen Energiemarkts zu werden,“ bekräftigt Herr Lakatos.

„Die Häufigkeit der Zusammenkünfte litt natürlich unter COVID-19 und wir verloren dadurch mehrere Monate,“ setzt er hinzu. „Die Ausgangssperren wurden, ohne aufeinander abgestimmt zu sein, von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt, was nicht zielführend war. Ich hoffe, in der ersten Hälfte von 2021 wird eine Rückkehr zum normalen Geschäftsbetrieb möglich. Andererseits gibt es einige spannende Transaktionen, die gerade jetzt vollzogen werden. Unser Betrieb kam für mehrere Monate zum Erliegen und der Abschluss von Geschäften war schwierig, aber wir haben bereits neue Transaktionen angebahnt.“

„Keppel Corporation und MET haben bereits die Arten der Vermögenswerte besprochen, die für den Kauf in verschiedenen Ländern in Frage kommen, doch es liegt noch keine konkrete Vereinbarung vor,“ verrät der CEO der MET Group. „Für Bereiche in Verbindung mit den derzeitigen Aktivitäten der MET Group sind zukünftige Investitionen geplant, insbesondere dort, wo sich zwischen bestehenden Positionen und den Zielvorhaben Synergien schaffen lassen.“

Quelle: CEENERGYNEWS