MET sucht auch dann nach Möglichkeiten, wenn es Probleme gibt

2020. 05. 12.

Dem anfänglichen Schock folgen die Übertragungseffekte der Krise, die sich vor allem in der Insolvenz der Unternehmen widerspiegeln können, erklärte dem Wirtschaftstagesblatt Világgazdaság Balázs Gábor Lehőcz, Leiter der Gerätedivision der MET-Gruppe.

Wie wirkt sich der krisenbedingte Nachfragerückgang auf den Gas- und Stromverkauf der MET-Gruppe aus?

Der weltweite, durch die Pandemie bedingte Wirtschaftsabschwung zeigt sich natürlich auch im Energieverbrauch. Der Gas- und Stromverbrauch verzeichnete in den vergangenen Monaten in Europa einen bedeutenden Rückgang. Das betraf vor allem die Länder, in denen neben der vollständigen Einschränkung auch die Tätigkeiten ganzer Branchen eingestellt wurden, wie z.B. in Italien oder Spanien. In Ungarn fällt der Rückgang zunächst weniger drastisch aus, aber auch hier stehen die Akteure des Energiemarktes unter großem Druck. Aufgrund der gesunkenen Verkaufsmengen müssen die Händler die übrig gebliebenen Mengen liquidieren, was bei den aktuellen, bisher noch nie erlebten niedrigen Energiepreisen enorme Verluste für die ganze Branche verursacht. Nach dem anfänglichen Schock werden die Marktakteure mit den Übertragungseffekten der Krise konfrontiert, die sich vor allem in der Insolvenz der Unternehmen widerspiegeln können. Für die nächste Phase sehen wir darin die größten Risiken für Händler, die mit großen Außenständen arbeiten.

Musste MET gebuchte Kraftwerkskapazitäten kündigen oder die Verträge über Einkauf von Gas ändern?

Für die Stromversorgung der Kunden mussten keine Kraftwerkskapazitäten gekündigt werden. Die Trader der Gruppe optimieren die Positionen aus Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage durchgehend, ggf. mehrmals am Tag – die aktuelle Liquidität am Markt ist für das Management der Positionen ausreichend. Die Optimierung auf Tagesbasis gilt bei der MET-Gruppe als gängige Praxis, da auch das Kraftwerk Dunamenti stets optimiert betrieben wird. Das Kraftwerk Dunamenti und die weiteren kleinen Kraftwerke im Portfolio der MET-Gruppe beteiligen sich beinahe ausnahmslos an der Regulierung auf Systemebene.

Was für ein Volumen erzeugte das Kraftwerk Dunamenti im April im Vergleich Vorjahr?

Die jeweilige monatliche Erzeugung steht nicht in Verbindung mit der Corona-Pandemie: Sie reflektiert eher, ob die Clean-Spark-Spread-Indikatoren aktuell positiv oder negativ sind. Das Kraftwerk funktionierte im April nach den vorläufigen Plänen, d.h. es erzeugte Strom und beteiligte sich auch an der Regulierung auf Systemebene. Die Produktion wurde wegen der Pandemie zunächst nicht geändert, für den Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter leiteten wir jedoch zahlreiche Schutzmaßnahmen ein, um die Verbreitung der Ansteckungen zu minimieren und mit der obligatorischen Benutzung von Schutzausrüstungen und mit verstärkten Desinfizierungsmaßnahmen ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen. Die richtige Behandlung und die – hinsichtlich der Energieerzeugung – relative Vorhersehbarkeit der Situation bedeuten nicht, dass der Trend vor der Corona-Krise sich nicht bereits kurz- oder mittelfristig ändern kann. Das kann schneller als erwartet einen Wandel in Richtung erneuerbare Energieerzeugung zur Folge haben, oder den Prozess im Rahmen eines sich verändernden globalen Wirtschafsmodells wegen der finanziellen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch verlangsamen. Wir bei MET sind der Ansicht, dass die unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Gesundheitswesen und die Wirtschaft gut erkenn- oder modellierbar sind. Hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen besteht jedoch weltweit eine große Unsicherheit, wodurch auch die Energiemärkte der Region Ostmitteleuropa beeinflusst werden können.

Wird MET das Photovoltaik-Kraftwerk in Kaba zum geplanten Termin übergeben?

Ja, es gibt keine Terminverzögerungen. Der deutsche Generalunternehmer IBC Solar und die ungarischen Subunternehmer arbeiten fortlaufend auch während der Pandemie und ihre Mitwirkung ist professionell gut begründet. Das Projekt verläuft nach Plan.

Auf welche Weise beeinflusst das geänderte Betriebsumfeld das voraussichtliche Jahresergebnis der Gruppe?

Auch die MET-Gruppe war mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie konfrontiert, und konzentriert sich derzeit auf drei Punkte: Erhalt der Gesundheit der Mitarbeiter, Liquidität sowie Analyse und Handhabung der langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen. Die Gruppe hat drei starke Divisionen (Verkauf an Endverbraucher in Europa, Trading und Großhandel, Geräteverwaltung und Energieerzeugung), und die früher festgelegte Geschäftsstrategie erweist sich auch in der derzeitigen Situation als stichhaltig. Die Ergebnisse der jeweiligen Divisionen können zwar je nach Periode abweichend sein, die drei Grundpfeiler verschaffen dem Unternehmen jedoch eine stabile Position.

Hinsichtlich welcher grundsätzlichen Punkte musste der Geschäftsplan dieses Jahres wegen der neuen Situation geändert werden?

Der Geschäftsplan auf Gruppenebene musste wegen der Pandemie nicht geändert werden. Natürlich haben wir unter Berücksichtigung der Notsituation die entsprechenden Überprüfungen, wo notwendig, durchgeführt. Das Unternehmen ist bestrebt, allen möglichen Risiken vorzubeugen und bereitet sich darauf vor, rechtzeitig und entsprechend auf eventuell doch auftretende, negative Einwirkungen reagieren zu können.

Werden geplante Entwicklungen, Akquisitionen verschoben?

Die Durchführung der geplanten Akquisitionen ist bisweilen ungehemmt, MET beobachtet jedoch ständig die Marktentwicklungen und wenn eine Akquisition als allzu risikoreich beurteilt wird, wird die entsprechende Entscheidung rechtzeitig getroffen. Die Gruppe muss jedoch nicht nur die Risiken beobachten, sondern auch die eventuellen Möglichkeiten einer Situation rechtzeitig erkennen. Wir halten uns weiterhin an den strategischen Plan und planen optimistisch auf dem Markt – ein Beweis dafür ist, dass wir im April, während der Pandemie wesentliche Kapazitäten für die Lieferung von 1,3 Mrd. m3 Erdgas an dem in Kroatien zu errichtenden LNG-Terminal gebucht haben. Diese Investition gilt als ein Meilenstein in der Entwicklung des Energiemarktes der Region, da sie – abgesehen von den neuen Geschäftsmöglichkeiten – eine wichtige Rolle in der Erhöhung der Versorgungssicherheit und der Quellendiversifizierung der Region spielen wird.

Bringt die neue Situation irgendwelche Vorteile für MET mit: Kann man zum Beispiel damit rechnen, dass bestimmte Mitbewerber den Markt verlassen müssen?

Bei jeder Krise gibt es Gewinner und Verlierer, die MET-Gruppe arbeitet daran, zu den Gewinnern zu zählen. Die Beurteilung der wirtschaftlichen Auswirkungen ist noch nicht abgeschlossen, es wäre deshalb allzu optimistisch, über eine Gewinnerposition zu sprechen. Nur diejenigen Unternehmen konnten die Wirtschaftskrise 2008 überstehen, die die Änderungen umsetzten und sich entsprechend an die neue Situation anpassten. In den vergangenen Jahren bewies die MET-Gruppe mehrmals ihre ausgezeichnete Adaptationsfähigkeit.

Wann wird nach Ansicht von MET wieder die Marktsituation einkehren, die vor der Pandemie geherrscht hat?

Auf der Welt wird der Normalzustand erst wieder eintreten, wenn der Impfstoff gegen das Coronavirus oder eine Heilmethode der Krankheit vorliegt. Bis dahin leben wir in einer Gefahrsituation, mit der wir natürlich auf eine bestimmte Weise umgehen, und auch die Bevölkerung gewöhnt sich daran, mit der Pandemie zu leben. Die Welt wird nie wieder so sein wie vorher. Wie nach jeder Krise, ist auch hier mit einer Umstrukturierung zu rechnen, die sich auch auf den Energiesektor auswirken wird. Man denke nur an die Ölpreisentwicklungen, an die besondere Volatilität – was für langfristige Auswirkungen diese für die Ölunternehmen oder die einzelnen Sektoren und die Verbrauchergewohnheiten haben werden, kann man heute schwer hervorsagen.

Quelle: Világgazdaság